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Rigs und Schliche
Geschrieben von Jay   
Mittwoch, 3. Juni 2009

...zum Angeln mit Finesse-Rigs

Dass Finesse-Rigs immer mehr im Kommen sind, haben sicherlich schon viele von Euch mitbekommen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um eine Neubenennung von Altbewährtem, wie es in der Angelszene oft üblich ist. Es ist vielmehr eine sehr interessante Form der Spinnfischerei, die zumindest mir so nie geläufig war, und nach meinem Wissen von den amerikanischen Schwarzfischern – Verzeihung: Schwarzbarsch-Fischern zu uns kam.

Dass auch grössere Räuber mit diesen Techniken zu überlisten sind, haben die US-Angler also sicher auch vor uns gewusst. So wird es auch niemanden wundern, wenn er hier Dinge liest, die schon vielfach von sicher kompetenteren Anglern im WWW zu lesen sind. Da Rabi mich bei meiner Eitelkeit zu nehmen wusste, möchte ich hier mal einige Gedanken zu den bereits von mir erprobten Rigs zum Besten geben, und diese auch genauer erläutern.

Prinzipiell sollte man sich darüber im Klaren sein, dass diese Rigs zum Barschangeln entwickelt wurden, und deshalb bei der Jagd auf andere Fische entsprechende Modifikationen der bekannten Formen vorgenommen werden müssen; hierbei denke ich natürlich primär an bissfestes Vorfachmaterial. Auf den ersten Blick kein Problem, aber bei genauerer Betrachtung gilt es, die Funktionalität der Montagen zu erhalten, obwohl mit anderen Materialien gearbeitet wird. Wo bei einer dünnen Geflochtenen also ein ganz normaler Palomar-Knoten den Haken eines Dropshot-Rigs im richtigen Winkel an der Schnur hält, muss bei Stahl oder Hardmono schon improvisiert werden, um die Tragkraft der Materialien nicht zu sehr zu mindern,  und auch nicht auf knotbares Material angewiesen zu sein.

Zu den Finesse-Rigs zähle ich Dropshot (DS), Wacky-Rig (WR), Texas-Rig (TR) und Carolina-Rig (CR), welche aber allesamt zum Angeln auf gut bezahnte Räuber angepasst werden müssen, und von denen ich bis jetzt nur das TR und CR versucht habe.

Das WR eignet sich wohl in erster Linie für die Barschjagd, und wird auch nur bei wenigen Anglern auf den ersten Blick interessant wirken. Sehr eigentümlich hierbei ist, dass die Gummis (i.d.R. Stickbaits, wie Gummiwürmer oder –maks), einfach mittig oder gar am Schwanz (insbesondere bei schlanken Fischimitaten) mit dem Haken durchstochen werden, was natürlich etwas seltsam wirkt. Der Lauf eines derart angeköderten Gummis wirkt – zumindest mal theoretisch – nicht sonderlich fängig…aber wie immer, ist auch hier Theorie nicht alles. Sieht man das Spiel eines derart angebotenen Köders an einem gut vorbereiteten Rig, macht man schnell grosse Augen. Oftmals wird hier auch mit kleinen Gewichten gearbeitet, die z.B. am Kopfende des Köders angebracht werden, und nur dem Zweck dienen, ein bestimmtes Ende des Gummis am Grund zu halten. So steht dann der vermeintlich falsch angeköderte Shad mit der Schnauze senkrecht am Grund, und imitiert durch zarteste Zupfer ein im Schlamm gründelndes Fischchen. Weiterhin scheint die Art der eigentlichen Bebleiung nebensächlich: nach Bedarf wird hier mit Klemmbleien, Jighaken, oder Laufbleien in entsprechenden Grössen gearbeitet.

Das bringt uns bereits zur eigentlichen Stärke der Finesse-Rigs, dem Köderspiel. Eines nämlich haben alle Rigs gemeinsam: das Spiel der Gummiköder ist völlig unvergleichlich, da die Gummis nicht direkt mit dem Blei in Verbindung stehen. Während ein am Jighaken befestigter Köder den direkten Weg des Bleikopfes geht, lassen sich mit TR und CR verblüffend echte Kapriolen eines Kleinfisches vollziehen; beim DS steht der Köder auf Wunsch gar an der Stelle, und wird nur von der Strömung etc. bewegt – wenn es sein muss, für eine ganze Ewigkeit, bis sich auch der letzte faule Räuber entschliesst, den Happen doch zu holen.

Viele Rig-Angler halten beim TR und CR das Klicken der hinter das Laufblei (vorzugsweise ein Bulletweight, in Form eines Geschosses) geschalteten Glasperle für den ausschlaggebenden Effekt. Da sich aber die Meinungen bezüglich akustischer Reize deutlich teilen (Lock-/Scheuchwirkung), würde ich dieses Geräusch als nebensächlich einstufen; als sinnvoll empfinde ich es nur, wenn der Köder auf dem Grund spielt, oder wenn Schalentier-Imitate angeboten werden. Ich habe jedenfalls auch ohne Perle schon gefangen, und auch ein Bulletweight muss nicht unbedingt sein. Kleine Rundbleie, oder Stabbleie erfüllen in etwa den gleichen Zweck.

Sehr vorteilhaft ist auch die Tatsache, dass man bei der Rigfischerei deutlich weniger Abrisse zu verzeichnen hat, was nicht zuletzt auch an der Tatsache liegt, dass der Haken zumeist im Gummi verborgen ist. Beim DS kann man die Montage derart gestalten, dass das Blei an einer dünneren Schnur befestigt ist, die im Falle eines Hängers reisst, und den Köder samt Haken wieder freigibt.

Texas-Rig:

Hier befindet sich das Blei direkt auf der Hauptschnur (respektive bissfestes Vorfach), und kann bis an den Haken laufen, bzw an die Glasperle, die sich dann vor dem Haken befindet:



Stellt man sich diese Montage unter Wasser vor, so sieht man das Blei eigentlich immer sehr kurz vor dem Haken. Im Fliessgewässer jedoch wird der Shad von der Strömung erfasst, und schneller transportiert als das Blei – insbesondere, wenn man hart am Grund fischt, und das Blei regelmässig Bodenkontakt hat. Bei kurzen Zupfern wird immer wieder das Blei zuerst am Grund landen, und das Gummi folgt hinterher. Bei dieser Montage bleibt jedoch das Blei immer recht nahe am Köder, und die Bewegungen des Shads sind recht kurz und spritzig – wenngleich schon viel verführerischer, als es bei auf Jighaken angebotenen Ködern der Fall ist. Befestigt man ein Blei an einer bestimmten Position auf dem Vorfach, kann man ein ganz bestimmtes Bewegungsmuster des Köders forcieren.

Carolina-Rig:

Bei dieser Montage befindet sich ein Stück Mundschnur zwischen dem Bullet (und ggf. der Perle) und dem Gummiköder; das Blei (ebenso wie die Perle) läuft also auch hier frei auf der Hauptschnur. Diese Mundschnur (oder auch Vorfach) sollte aber nicht zu lang gewählt werden, da es sonst zu nennenswerten Reaktionsverlusten in der Übertragung vom Köder zur Rutenspitze kommen kann:



Das Köderspiel am CR gefällt mir deshalb sehr gut, weil selbst bei hektischen Bewegungen keine übertriebenen Reaktionen des Köders festzustellen sind, und weil man das Gummi direkt über Gund spielen lassen kann, ohne dass es den Grund wirklich berührt. Die Bewegungen des Shads sind durch die Distanz zum Blei extrem realistisch, und das (sichtbare) Blei ist nicht in der Nähe des Köders. Dieser spielt wesentlich verhaltener als am TR, da der Auftrieb durch die Strömung deutlich besser zum Tragen kommt – gut für lahme Fische, die auf Durchkurbeln nicht mehr reinfallen. Auch hier kann man – mittels verschiedener Vorfachlängen – bestimmte Bewegungsmuster des Shads provozieren.

Alles in allem würde ich sagen, dass es für keines der genannten Rigs eine optimale Länge, Gewicht, Köder oder Führungsweise existiert – und das macht sie so universell einsetzbar. Im WWW sind sogar schwimmende Bulletweights zu beziehen, um das lebendige Spiel der favorisierten Gummis auch an der Oberfläche anbieten zu können. Fischt man mit bissfestem Material, muss man halt ein bisschen experimentieren (Klemmhülsen statt Knoten, Gummistopper über dem NoKnot), aber mit ein-zwei Schnitten und Kniffen, oder Experimenten mit verschiedenen Köderformen, kommt man immer auf eine optimale Montage, mit der man überall fangen kann.

Die beigefügten Bilder sind bereits als Abwandlungen der originalen Rigs zu verstehen, da ich (noch) nicht auf Barsche fische, und deshalb nicht auf sichere Vorfächer verzichten kann.

Zur optimalen Beschaffenheit einer Rute für diese Techniken kann ich noch nicht viel sagen; ich benutze am Kanal die 75er VHF, und am Altrhein die 45er – genau wie beim Jiggen.

GRZ:

J@Y

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 3. Mai 2010 )
 

Comments 

  1. #2 Rainer Brinkmann
    2009-06-0309:35:39 Servus Jay,
    wusste doch, dass ich da den Richtigen frage! Vielen Dank für die Aufklärung! Wiedermal super geschrieben.
    Gruß
    Rainer
  2. #1 Daniel B.
    2009-06-0309:14:25 Allererste Sahne J@y - Danke !!!

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